Sturz im Alter vorbeugen: Stolperfallen zu Hause erkennen, wenn die Tage kürzer werden

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Seniorin geht am Abend sicher durch einen warm beleuchteten Flur – so lässt sich einem Sturz im Alter vorbeugen

Sturz im Alter vorbeugen: Stolperfallen zu Hause erkennen, wenn die Tage kürzer werden

Ein Dienstag Ende Oktober in Walbeck, kurz nach fünf. Draußen dämmert es schon, im Flur ist es fast dunkel. Frau H., 82, steht aus dem Sessel auf, um in der Küche Teewasser aufzusetzen. Den Weg kennt sie seit vierzig Jahren, das Licht lässt sie aus. Doch der Läufer hat sich an einer Ecke aufgeworfen, ihr Hausschuh bleibt hängen, und für einen Moment hält sie sich gerade noch am Türrahmen fest.

Die Szene ist erdacht, aber sie spielt sich in diesen Wochen in vielen Häusern am Niederrhein so oder ähnlich ab. Wer einem Sturz im Alter vorbeugen möchte, muss dafür kein Haus umbauen und niemandem etwas verbieten. Oft genügt ein aufmerksamer Blick auf die Wege, die jeden Tag gegangen werden.

Seniorin geht am Abend sicher durch einen warm beleuchteten Flur – so lässt sich einem Sturz im Alter vorbeugen

Warum der Herbst die Wege unsicherer macht

Stürze sind im höheren Lebensalter keine Seltenheit. Nach der Gesundheitsberichterstattung des Robert Koch-Instituts berichtete 2022 rund ein Viertel der Menschen ab 65 Jahren von mindestens einem Sturz innerhalb von zwölf Monaten, etwa jede zehnte Person von mehreren. Bei den Menschen ab 80 Jahren war es laut RKI rund ein Drittel. Diese Zahlen sollen keine Angst machen. Sie zeigen vor allem, dass ein Sturz kein persönliches Versagen ist, sondern etwas, das sehr viele Familien betrifft.

Am 25. Oktober 2026 werden die Uhren zurückgestellt, denn nach § 2 der Sommerzeitverordnung endet die Sommerzeit jeweils am letzten Sonntag im Oktober. Von einem Tag auf den anderen ist es am späten Nachmittag eine Stunde früher dunkel, und vertraute Handgriffe fallen plötzlich in die Dämmerung: der Gang zum Briefkasten, das Richten des Abendbrots, der Weg ins Bad. Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) zählt schlechte Beleuchtung und Stolperfallen ausdrücklich zu den äußeren Risiken für Stürze. Hinzu kommen nasses Laub vor der Haustür und bald der erste Frost.

Was viele unterschätzen: Auch ein Beinahe-Sturz hinterlässt Spuren. Das ZQP beschreibt in einer Mitteilung zur Sturzvorbeugung, dass die Angst vor einem erneuten Sturz dazu führen kann, dass Menschen sich weniger bewegen. Dadurch können nach Darstellung der Stiftung Kraft und Gleichgewicht nachlassen, und das Risiko steigt weiter. Wer früh für sichere Wege sorgt, erhält also auch das Zutrauen in die eigenen Schritte.

Ein Rundgang durch die Wohnung: Wo Stolperfallen lauern

Am besten gehen Sie die Wohnung einmal gemeinsam ab, und zwar am späten Nachmittag, wenn das Licht so ist wie im Alltag. Wichtig ist, dass die Person, die dort lebt, mitentscheidet. Es ist ihr Zuhause, und der Läufer im Flur ist vielleicht ein Erbstück. Meist findet sich eine Lösung, die mehr Sicherheit bringt, ohne dass etwas Liebgewonnenes verschwinden muss. Die folgenden Stationen orientieren sich an den Hinweisen des ZQP zur sicheren Wohnumgebung.

  • Flur und Laufwege: Lose Läufer und aufgeworfene Teppichkanten lassen sich mit rutschfesten Unterlagen sichern oder an einen ruhigeren Platz legen. Kabel, Schuhe und Taschen gehören nicht auf einen Weg, der mehrmals am Tag gegangen wird.
  • Wohnzimmer: Zwischen Sessel, Tisch und Tür sollte genug Platz sein, auch für einen Rollator. Brille, Telefon und Lichtschalter liegen am besten in Reichweite des Lieblingsplatzes.
  • Bad: Nasse Böden sind glatt. Rutschfeste Matten in Dusche und Wanne helfen, ebenso fachgerecht angebrachte Haltegriffe.
  • Schlafzimmer: Der nächtliche Weg zur Toilette verdient besondere Aufmerksamkeit. Eine Lampe mit Bewegungsmelder und ein freier Boden ohne Bettvorleger machen ihn sicherer.
  • Treppe und Schwellen: Stufenkanten und Türschwellen lassen sich deutlich markieren, damit sie auch im Dämmerlicht gut zu sehen sind. Ein fest montierter Handlauf gibt zusätzlich Halt.
  • Hauseingang: Nasses Laub auf den Stufen sollte regelmäßig gefegt werden, und die Außenlampe darf jetzt früher angehen als im Sommer. Wenn es friert, ist ein Eimer Streugut neben der Tür viel wert.
Tochter und Mutter legen gemeinsam eine rutschfeste Unterlage unter den Läufer im Flur ihres Hauses in Walbeck

Von allen Veränderungen ist besseres Licht meist die einfachste. Für die Nacht nennt das ZQP Lampen mit Bewegungsmelder als hilfreich, also Lampen, die von selbst angehen, sobald jemand aufsteht. Tagsüber hilft es, die Lampen in Flur und Treppenhaus schon am Nachmittag einzuschalten und nicht erst, wenn es richtig dunkel ist.

Einem Sturz im Alter vorbeugen heißt auch: auf Schuhe, Augen und Medikamente achten

Nicht jede Stolperfalle liegt auf dem Boden. Das ZQP rät zu Schuhen mit festem Halt, die hinten geschlossen sind und eine flache, rutschfeste Sohle haben. Der bequeme, aber ausgetretene Pantoffel erfüllt das selten. Ebenso wichtig ist Kleidung, die gut sitzt und nicht rutscht.

Wer schlecht sieht, erkennt die Teppichkante zu spät. Das ZQP empfiehlt deshalb, darauf zu achten, dass Brille und Hörgerät auch zu Hause benutzt werden, und Augen und Ohren regelmäßig untersuchen zu lassen. Eine Besonderheit nennt die Stiftung ausdrücklich: Auch eine neue Brille zählt sie zu den äußeren Faktoren, die das Sturzrisiko beeinflussen. Was im Einzelfall sinnvoll ist, klären die augenärztliche Praxis oder das Optikfachgeschäft.

Auch Medikamente können eine Rolle spielen. Das ZQP nennt als Beispiele Mittel gegen Bluthochdruck sowie Beruhigungs- und Schlafmittel und weist darauf hin, dass manche Arzneien müde oder benommen machen oder Schwindel verursachen können. Flüssigkeitsmangel kann laut ZQP ebenfalls zu Schwäche und Kreislaufproblemen führen. Ob ein Medikament geändert wird, entscheidet allein die Ärztin oder der Arzt. Wenn Ihnen solche Veränderungen auffallen, ist die Hausarztpraxis die richtige Adresse.

Gut zu wissen: Wer klärt die Ursache? Das ZQP rät dazu, die Ursachen eines Sturzes zu klären, etwa Schwindel oder Probleme mit dem Sehen oder Gehen, und dazu ärztlichen oder pflegefachlichen Rat einzuholen. Was im Einzelfall dahintersteckt und was dann zu tun ist, beurteilt die Hausärztin oder der Hausarzt.

Bleibt die Bewegung, und sie ist vielleicht der wichtigste Punkt. Das ZQP empfiehlt regelmäßige körperliche Aktivität, mindestens einmal täglich, und dazu gezieltes Training von Muskelkraft, Beweglichkeit, Koordination und Gleichgewicht. Dabei zählt nach den Hinweisen der Stiftung auch Alltägliches wie Tischdecken, Blumengießen oder ein kurzer Spaziergang. Welche Übungen im Einzelfall geeignet sind, klären die Hausarztpraxis oder eine Physiotherapie. Wenn der Weg zum Einkaufen allein zu unsicher geworden ist, kann unsere Alltagsbegleitung dabei unterstützen, mit Begleitung in Bewegung zu bleiben.

Und wenn es doch passiert?

Trotz aller Vorsicht lässt sich nicht jeder Sturz verhindern. Dann hilft es, ruhig zu bleiben und nichts zu überstürzen. Für Notfälle gibt es den Notruf 112, der laut dem Gesundheitsportal des Bundes rund um die Uhr und kostenfrei erreichbar ist. Das ZQP rät außerdem dazu, eine ärztliche Untersuchung zu veranlassen, wenn durch einen Sturz Schmerzen oder Verletzungen auftreten, und die Ursache klären zu lassen. Wie eine Verletzung einzuschätzen ist, beurteilen Rettungsdienst und Ärztin oder Arzt.

Für Menschen, die allein leben, kann ein Hausnotruf zusätzliche Sicherheit geben, weil sich damit, wie die Verbraucherzentrale erklärt, per Knopfdruck Hilfe rufen lässt. Wie ein solches System funktioniert und für wen es infrage kommt, haben wir auf unserer Seite zum Hausnotrufsystem zusammengefasst. Führt ein Sturz doch einmal ins Krankenhaus, finden Sie erste Orientierung in unserem Beitrag „Plötzlich Pflegefall: Was Angehörige in den ersten 48 Stunden wissen müssen“.

Gut zu wissen: Zuschüsse der Pflegekasse. Nach § 40 Absatz 4 SGB XI können die Pflegekassen Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes bezuschussen, der Zuschuss darf 4.180 Euro je Maßnahme nicht übersteigen. Die Verbraucherzentrale beschreibt, dass der Antrag vor Beginn der Arbeiten gestellt und die schriftliche Bewilligung abgewartet werden sollte. Für einen Hausnotruf übernimmt die Pflegekasse nach Angaben der Verbraucherzentrale unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten des Basistarifs. Das Bundeskabinett hat am 30. September 2026 den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes beschlossen, Bundestag und Bundesrat haben noch nicht entschieden. Ob und in welcher Höhe es einen Zuschuss gibt, entscheidet die Pflegekasse, dort erfahren Sie auch den aktuellen Stand.

Wann Unterstützung von außen guttut

Ein Nachtlicht und ein sicherer Läufer lösen nicht alles. Wenn das Aufstehen schwerer fällt, das Duschen Angst macht oder der Haushalt liegen bleibt, sind das Hinweise, die Sie ernst nehmen dürfen. In unserem Beitrag „Wie Sie erkennen, ob Ihr Angehöriger wirklich Hilfe braucht“ beschreiben wir solche Zeichen genauer. Hilfe holen heißt nicht aufgeben. Oft ist sie gerade der Grund, warum jemand im eigenen Zuhause bleiben kann.

Wie diese Hilfe aussieht, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Manchmal genügt eine Begleitung zum Arzttermin oder Unterstützung im Haushalt, manchmal ist Hilfe bei der Körperpflege durch die ambulante Pflege der passende Schritt. In unserer Pflegeberatung überlegen wir gemeinsam mit Ihnen, was zu Ihrer Situation passt. Über Leistungen und Zuschüsse entscheidet die Pflegekasse.

Fazit: Sichere Wege sind kein Verzicht

Und Frau H. in Walbeck? In unserer Geschichte hat sie ihrer Tochter am Wochenende von dem Schreckmoment erzählt. Der Läufer liegt jetzt auf einer rutschfesten Unterlage, im Flur geht ein kleines Licht von selbst an, und die alten Pantoffeln haben Nachfolger mit fester Ferse bekommen. Ihren Tee kocht sie weiterhin selbst, kurz nach fünf, wenn es draußen dunkel wird. Genau darum geht es: nicht um weniger Selbstständigkeit, sondern um Wege, auf denen sie erhalten bleibt.

Sprechen Sie uns an

Thekook begleitet ältere Menschen in Geldern, Walbeck, Straelen und Wachtendonk mit Alltagsbegleitung, ambulanter Pflege und Pflegeberatung. Wenn Sie unsicher sind, welche Unterstützung zu Ihnen oder Ihren Angehörigen passt, sprechen Sie uns gern an.

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